P I L G E R D O P I N G
Eines der schönsten Zwischenziele auf dem Pilgerweg
befindet sich kurz hinter Estella in Spanien. Es ist eine Weinhandlung
direkt an der Straße neben einem Kloster. Hier gibt es einen
Pilgerbrunnen, 1991 errichtet, aus dem Wein und Wasser fließen. Je nach
Wunsch des Pilgers. Ich habe ja noch nie ein gutes Tröpfchen verschmäht
und ich kann sagen, dass dieser Wein wirklich etwas Edles war. Auf
schwäbisch würde man sagen: „Koi Klomp“. Ich bin auf meiner Tour ja schon
öfter beschissen worden. (Der so genannte Pilgerbschiss). Sei es, weil kein
Toilettenpapier auf der Pilgertoilette war, oder weil eine Straße plötzlich
aufhörte eine Straße zu sein und meinte es wäre schöner als Sackgasse zu
enden. Aber diese Weinquelle ist mal so was Richtig Gutes. Und das für
ganz umsonst. Umso mehr wundert es, dass es einem Schwaben wie mir
passieren konnte, dass ich da schon morgens hinkam. Das ist dann doch
auch für einen alten (Wein-) Hasen wie mich etwas zu früh. Einen
Rotweinrausch morgens um 9.00 Uhr? Und dann noch Radfahren? Ich hatte
leider auch nicht genügend leere Flaschen dabei, um mich für die nächsten
Tage einzudecken. Hätte ich etwas gedacht, dann hätte ich meine Tour so
geplant, dass ich abends ankomme. Dieser Ort wäre ideal um einen
anstrengenden Tag gemütlich ausklingen zu lassen. Ich hätte natürlich auch
mein Zelt am Brunnen aufschlagen können. Das wäre dann sicher das erste 2-Mann-Zelt mit eigenem Wasser- und Weinanschluss. Ich hätte in diesem Fall
einfach ein Schild am Haupteingang anbringen müssen auf dem steht: „Heute
wegen privatem Zeltfest geschlossen!“. Ok, man soll’s ja nicht
übertreiben.
